Der Flapper-Look: Mode, Freiheit und Frauenbild
Der Flapper-Look der 1920er-Jahre war mehr als eine neue Mode. Kurze Frisuren, locker fallende Kleider und auffälliges Make-up standen für ein verändertes Bild der modernen Frau. Der Stil entstand aus gesellschaftlichem Wandel, neuen Freizeitangeboten, wachsender Konsumkultur sowie dem Einfluss von Jazz, Kino und Zeitschriften. Wenn du den Stil heute nachbilden möchtest, sind vor allem Charlestonkleider und Flapperkleider, 20er Jahre Mode für Damen und für ruhigere Tageslooks 20er Jahre Tageskleider besonders naheliegend.
Allerdings trugen keineswegs alle Frauen dieser Zeit einen Flapper-Look. Das Bild des Flappers war vor allem ein medienwirksames Ideal junger, urbaner Frauen. Lebensweise und Kleidung unterschieden sich weiterhin stark nach Herkunft, Wohnort und gesellschaftlicher Stellung.
Gesellschaftlicher Wandel nach dem Ersten Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg veränderte das Leben vieler Frauen. Während des Krieges übernahmen sie Tätigkeiten in Fabriken, Verwaltungen, Verkehrsbetrieben und anderen Bereichen. Nach Kriegsende mussten zwar viele ihre Arbeitsplätze wieder abgeben, dennoch hatte sich die öffentliche Wahrnehmung weiblicher Arbeit verändert.
In mehreren Ländern erhielten Frauen politische Rechte und beteiligten sich stärker am gesellschaftlichen Leben. Gleichzeitig entstanden neue Bildungs- und Berufsmöglichkeiten. Diese Entwicklungen verliefen nicht überall gleich, trugen aber zu einem moderneren Frauenbild bei.

Die „New Woman“ als modernes Frauenbild
Bereits vor den 1920er-Jahren wurde über die sogenannte New Woman gesprochen. Gemeint war eine gebildete, berufstätige und selbstständig auftretende Frau, die eigene Entscheidungen treffen und am öffentlichen Leben teilnehmen wollte.
Der Flapper wurde zu einer besonders sichtbaren Ausprägung dieses Frauenbildes. Kurze Haare, moderne Kleidung und ein selbstbewusstes Auftreten galten als Zeichen der Abgrenzung von älteren Konventionen. In Filmen und Zeitschriften wurde dieses Bild häufig zugespitzt und glamourös dargestellt.
Jazz und Tanz beeinflussen die Mode
Jazz entwickelte sich aus der afroamerikanischen Musikkultur und verbreitete sich während der 1920er-Jahre weit über die Vereinigten Staaten hinaus. Clubs, Tanzlokale und Radiosendungen machten die neue Musik einem immer größeren Publikum bekannt.
Tänze wie Charleston, Black Bottom und Foxtrott verlangten Bewegungsfreiheit. Gerade geschnittene Kleider, lockere Stoffe und tief angesetzte Taillen eigneten sich dafür besser als schwere und körpernah gearbeitete Kleidung. Die Abendmode griff diese Entwicklung besonders deutlich auf.
Kino und Zeitschriften verbreiten den Flapper-Look
Stummfilmstars wie Louise Brooks und Clara Bow prägten das Bild der modernen Frau. Ihre Bobfrisuren, ausdrucksstarken Augen und selbstbewussten Rollen erreichten ein internationales Publikum.
Auch Modezeitschriften, Zeitungen und Werbeanzeigen verbreiteten die neuen Stilvorbilder. Durch industriell gefertigte Kleidung konnten aktuelle Schnitte schneller angeboten werden. Der Flapper-Look wurde damit Teil einer wachsenden Konsum- und Medienkultur.
Die typische Silhouette der 1920er-Jahre
Viele modische Kleider der 1920er-Jahre hatten eine gerade, locker fallende Form. Die natürliche Taille wurde häufig nicht betont. Stattdessen saß die Taillenlinie tiefer auf Hüfthöhe. Diese Schnittform wird heute als Drop Waist bezeichnet.
Die Rocksäume wurden im Verlauf des Jahrzehnts kürzer. Besonders kurze Varianten waren jedoch nur während eines begrenzten Zeitraums verbreitet. Nicht jedes Kleid endete oberhalb des Knies, und die Tagesmode blieb meist zurückhaltender als die Kleidung für Tanzlokale und Abendveranstaltungen.
Weitere Informationen über tragbare Tageskleidung findest du im Beitrag Tagesmode der 1920er-Jahre.
Bob, Bubikopf und Wasserwelle
Kurze Frisuren gehörten zu den auffälligsten Merkmalen des Flapper-Looks. Bob und Bubikopf wirkten modern und ließen sich gut mit eng am Kopf sitzenden Glockenhüten kombinieren. Auch die Wasserwelle wurde zu einem charakteristischen Stilmittel.
Der sehr kurze Eton Crop orientierte sich an männlichen Haarschnitten und galt als besonders gewagt. Viele Frauen behielten jedoch längeres Haar und gestalteten es so, dass es unter einem Hut kürzer erschien.
Frisuren und Schminktechniken werden ausführlicher im Beitrag 20er Jahre Frisuren und Make-up für Damen erklärt.
Make-up als sichtbares Stilmittel
Durch die Verbreitung industriell hergestellter Kosmetik wurde Make-up leichter erhältlich. Dunkel betonte Augen, Rouge und Lippenstift gehörten zum medialen Bild des Flappers. Besonders auffällig war der sogenannte Kussmund, bei dem die Lippen klein und deutlich konturiert geschminkt wurden.
Die Darstellung in Filmen und Fotografien war häufig stärker als das alltägliche Make-up. Für heutige Kostüme lässt sich der Stil deshalb je nach Anlass zurückhaltend oder bühnenwirksam interpretieren.
Accessoires des Flapper-Looks
Accessoires ergänzten die schlichte Silhouette der Kleider. Typisch waren lange Perlenketten, Stirnbänder, kleine Handtaschen, T-Strap-Schuhe und eng sitzende Glockenhüte. Federn, Pailletten und Schmuck wurden vor allem bei festlicher Abendkleidung verwendet.
Die häufig auf Bildern gezeigte Zigarettenspitze gehörte zum provozierenden Medienbild des Flappers. Sie stand symbolisch für den Bruch mit gesellschaftlichen Erwartungen, war aber kein unverzichtbarer Bestandteil der damaligen Damenmode.
Einen ausführlichen Überblick findest du im Styling-Guide für 20er Jahre Accessoires.
War jede Frau der 1920er-Jahre ein Flapper?
Nein. Der Flapper war vor allem ein kulturelles Symbol und ein beliebtes Motiv in Medien, Werbung und Unterhaltung. Viele Frauen lebten weiterhin unter traditionellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen. Auch religiöse Vorstellungen, familiäre Erwartungen und finanzielle Möglichkeiten beeinflussten ihre Kleidung.
Der Flapper-Look sollte deshalb nicht als allgemeingültige Damenmode der gesamten Epoche verstanden werden. Er zeigt vielmehr eine besonders sichtbare, moderne und zum Teil bewusst provozierende Seite der 1920er-Jahre.
Der Flapper-Look heute
Heute wird der Stil für Gatsby-Partys, Tanzveranstaltungen, Theater, historische Feste und Vintage-Shootings aufgegriffen. Ein moderner Flapper-Look kann aus einem gerade geschnittenen Kleid, einer langen Perlenkette, einem Stirnband oder Glockenhut sowie passenden Schuhen bestehen.
Geeignete Kleider findest du bei unseren Charlestonkleidern und Flapperkleidern. Weitere Stilrichtungen und vollständige Outfits findest du in der Kategorie 20er Jahre Mode für Damen.